Die Aryknorpel (medizinisch: Cartilago arytaenoidea), im Deutschen Stellknorpel genannt sind, Bestandteil des Knorpelgerüsts des Kehlkopfes. Sie bilden die bewegliche Aufhängung der Stimmbänder und ähneln in ihrer Form einer dreikantigen Pyramide. Durch ihre gelenkige Verbindung mit dem Ringknorpel können die Aryknorpel verschoben werden. Je nach Verschieberichtung bedingt die Stellung der Aryknorpel eine Verengung oder Weitung der Stimmbänder. Die Aryknorpel beeinflussen somit die Bewegung der Stimmlippen und sind daher ein essenzieller Bestandteil für die Stimmbildung.

Der deutsche Name ist sehr treffend, da diese Knorpel die Stimmbänder buchstäblich in die richtige Position „stellen“. Man kann sie sich wie zwei kleine Scharniere vorstellen, die das Tor zur Lunge verwalten. Funktionieren diese Knorpel nicht richtig, etwa durch eine Lähmung des versorgenden Nervs (Recurrensparese), kommt es zu Heiserkeit oder Atembeschwerden, da die Stimmbänder nicht mehr präzise bewegt werden können.

Anatomie und Lage

Die Stellknorpel sind paarig angelegt. Es gibt also einen linken und einen rechten. Sie sind kleine, etwa pyramidenförmige Strukturen, die beweglich auf der Oberkante des sogenannten Ringknorpels (der Basis des Kehlkopfes) sitzen.

Jeder Stellknorpel verfügt über zwei wichtige Fortsätze:

  1. Processus vocalis (Stimmfortsatz): Hier setzt das Stimmband (Ligamentum vocale) an.

  2. Processus muscularis (Muskelfortsatz): Hier setzen die inneren Kehlkopfmuskeln an, die den Knorpel bewegen.

Schematische Darstellung des Aryknorpels

Schematische Darstellung des Aryknorpels | GeminiPro 3.1

Die Aryknorpel können nicht ertastet werden

Die Stellknorpel liegen tief im Inneren deines Kehlkopfs, sicher verborgen hinter dem massiven Schildknorpel (den wir als Adamsapfel kennen). Sie sind zudem von einer Schicht aus Muskeln, Bändern und Schleimhäuten bedeckt. Wenn du von außen an deinem Hals tastest, spürst du zwar das harte Knorpelgerüst, aber die feinen Aryknorpel bleiben für die Fingerspitzen unerreichbar.

Was du jedoch gut von außen ertasten kannst, ist die „Verpackung“:

  • Der Schildknorpel: Die große, vordere Wand des Kehlkopfs.

  • Der Ringknorpel: Eine schmale, feste Struktur direkt unterhalb des Schildknorpels.

  • Das Zungenbein: Ein kleiner Knochen weit oben am Übergang vom Hals zum Unterkiefer.

Wie blickt der HNO-Arzt in den Kehlkopf?

Da der Kehlkopf „um die Ecke“ tief im Rachen sitzt, kann man nicht einfach wie in den Mund hineinschauen. Der Fachbegriff für die Untersuchung ist die Laryngoskopie. Ein HNO-Arzt nutzt dafür heute meist eine der folgenden drei Methoden:

1. Die klassische Methode: Der Kehlkopfspiegel

Das ist die „Oldschool“-Variante, die aber immer noch effektiv ist. Der Arzt nutzt einen kleinen, angewärmten Spiegel an einem langen Stiel. Er führt ihn weit in den Mund bis zum weichen Gaumen und beleuchtet ihn mit einer Stirnlampe. Durch die Neigung des Spiegels kann er „um die Kurve“ auf die Stimmbänder und die Stellknorpel blicken.

2. Das starre Endoskop (Lupenlaryngoskopie)

Hier wird ein Metallstab (das Endoskop) mit einer Hochleistungslinse und einer Lichtquelle über den Mund eingeführt. Die Optik ist meist um 70° oder 90° gewinkelt.

  • Der Clou: Das Bild wird oft auf einen Monitor übertragen.

  • Stroboskopie: Häufig wird dabei ein Blitzlicht verwendet, das so schnell pulsiert, wie die Stimmbänder schwingen. Dadurch entsteht für das Auge ein Zeitlupeneffekt und der Arzt kann sehen, ob die Stimmbänder (und damit die Aryknorpel) symmetrisch arbeiten.

3. Das flexible Endoskop (Nasenendoskopie)

Für viele Patienten ist das die angenehmste Methode, da der Würgereiz entfällt. Ein hauchdünner, beweglicher Glasfaserschlauch wird vorsichtig durch die Nase bis über den Kehlkopf geschoben. Da der Mund frei bleibt, kannst du während der Untersuchung ganz normal sprechen oder sogar singen. Ein Vorteil für die Untersuchung, denn der Arzt kann so die Funktion der Aryknorpel unter „Echtbedingungen“ beobachten.

Damit der Arzt freie Sicht auf das „Arbeitszimmer“ deiner Stimme erhält, wird er dich meist bitten ein hohes „Iiiii“ oder ein „Eeee“ zu sagen.

Ein ‚I‘ für den freien Blick: Durch die gezielte Spannung beim hohen Vokal öffnet sich der Kehlkopfraum und gibt den Weg für eine präzise Diagnostik frei.

Die wichtigsten Funktionen der Aryknorpel

Der Aryknorpel wirkt wie ein mechanisches Gelenk, das die Stellung der Stimmbänder kontrolliert. Seine Hauptfunktionen sind:

1. Phonation (Stimmbildung)

Damit wir Töne erzeugen können, müssen die Stimmbänder eng aneinandergelegt werden. Die Stellknorpel drehen und gleiten so zueinander, dass sich die Stimmritze (der Spalt zwischen den Stimmbändern) schließt. Wenn nun Ausatmungsluft hindurchströmt, geraten die Stimmbänder in Schwingung und ein Ton entsteht.

2. Regulierung der Atmung

Beim Einatmen müssen die Stimmbänder weit auseinanderdriften, damit genügend Luft in die Luftröhre gelangen kann. Die Stellknorpel rotieren hierbei nach außen und ziehen die Stimmbänder mit sich, wodurch die Stimmritze weit geöffnet wird.

3. Schutz der Atemwege

Beim Schlucken helfen die Stellknorpel dabei, den Kehlkopfeingang fest zu verschließen. Zusammen mit dem Kehldeckel (Epiglottis) verhindern sie so, dass Nahrung oder Flüssigkeit in die Luftröhre gelangen (Aspiration).

4. Kontrolle der Tonhöhe

Durch feine Kippbewegungen der Stellknorpel kann die Spannung der Stimmbänder verändert werden. Eine höhere Spannung führt zu einer höheren Frequenz der Schwingung und damit zu einem höheren Ton.

Deine Fragen nach dem HNO-Besuch beantwortet

Dein HNO-Arzt hat ein Ary-Ödem diagnostiziert? Klingt beängstigend, können wir nachvollziehen. Darum erklären wir hier typische Diagnosen mit einfachen Worten. Wichtig zu wissen: Unsere Informationen dienen dem besseren Verständnis, ersetzen aber niemals die individuelle medizinische Einschätzung deines Arztes. Sein Befund ist die Basis unserer gemeinsamen Arbeit. Häufig können wir dann durch gezielte Entspannung die Schwellung reduzieren und deine Stimme entlasten.

Was bedeutet ein geschwollener Aryknorpel?

Das ist bereits die Erklärung für Ary-Ödem, denn ein Ödem ist schlicht eine Schwellung durch eingelagertes Wasser im Gewebe. Mit Ary wird konkret die Arygegend, also den medizinischen Bereich im Kehlkopf beschrieben. Wenn das Gewebe über den Stellknorpeln anschwillt, ist das meist eine Reaktion auf eine chronische Reizung oder eine akute Entzündung. Die Folgen sind Heiserkeit, ein Fremdkörpergefühl („Kloß im Hals“) oder ständiger Räusperzwang.

Darstellung eines Ary-Ödems

Schematische Darstellung eines Ary-Ödems | GeminiPro 3.1

Die häufigsten Ursachen sind:

  • Laryngopharyngealer Reflux (Stiller Reflux): Magensäure dampft bis in den Rachen auf und verätzt die empfindliche Schleimhaut direkt über den Aryknorpeln (da diese anatomisch dem Speiseröhreneingang am nächsten liegen).

  • Stimmliche Überlastung: Exzessives Schreien oder falsche Sprechtechnik führen zu mechanischem Stress.

  • Infektionen: Starke Kehlkopfentzündungen (Laryngitis).

  • Intubationstrauma: Nach Operationen unter Vollnarkose kann das Beatmungsrohr die Knorpel gereizt haben.

 

Bringe deinen Arztbericht gerne zum ersten Termin mit – wir schauen uns die Details gemeinsam an.

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