Tiergestützte Therapie

Geschichte der tiergestützten Therapie

Der gezielte Einsatz von Tieren in der Therapie wird schon seit langem praktiziert. Es liegen Berichte darüber vor, dass Tiere seit dem achten Jahrhundert für Heilzwecke eingesetzt werden. Der Kinderpsychotherapeut B. Levinson entdeckte zufällig die Wirkung seines Hundes bei einem Kind, das bisher alle Zugangsversuche zu ihm und anderen Therapeuten verweigert hatte. Er sorgte dafür, dass der Hund bei jeder weiteren Therapie anwesend war und schrieb seine Beobachtungen auf, diese waren Grundlage für weitere Forschungen auf diesem Gebiet. In Deutschland hielt die tiergestützte Therapie erst 1980 Einzug in die Öffentlichkeit.

Arbeit mit Therapiehunden – Wie geht das?

Neben den „Besuchshunden“, oder „Streichelhunden“, dessen Gegenwart natürlich auch oft von großem Nutzen ist, ist der Einsatz von Therapiebegleithunden sehr gezielt. Nur wenn er einen bestimmten Zweck in der Therapie erfüllt, und natürlich nur, wenn keine Allergie oder zu große Angst dagegen spricht, unterstützt der Hund die therapeutische Arbeit. Ein großer Vorteil des Therapiebegleithundes ist, dass er völlig wertfrei ist. Der Hund geht auf jeden Menschen freudig zu, unabhängig davon, ob das Sprechen des Patienten eingeschränkt ist, ob er eine körperliche/ geistige Behinderung hat, oder nicht. Über das Vertrauen zum Hund wird in der Regel auch das Vertrauen zum Therapeuten gestärkt. So werden über die Arbeit mit dem Hund auch sozio-emotionale Kompetenzen gefördert.

Was macht der Hund in der logopädischen Therapie?

Der Deutsche Bundesverband für Logopädie (dbl) veröffentlichte 2012 eine Studie, die zu folgenden Ergebnissen führte: Der Einsatz eines speziell ausgebildeten Therapiebegleithundes in der logopädischen Therapie hat einen Mehrwert gegenüber der logopädischen Therapie ohne Einsatz eines Hundes. Der Therapiebegleithund stellt eine unspezifische heilungsfördernde Maßnahme in der logopädischen Therapie dar und trägt zum Heilungserfolg bei. Der Therapiebegleithund stellt in der logopädischen Therapie einen Faktor dar, der als Kommunikationsinitiator wirkt und die Kommunikationsbereitschaft des Patienten fördert. In der logopädischen Therapie ist ein Therapiebegleithund unter anderem einsetzbar, um:

  • dem Kind/dem Erwachsenen zu helfen, innere Ruhe zu finden
  • die Kontaktaufnahme zu erleichtern
  • Körperkontakt zu ermöglichen
  • die Konzentrations- und Reaktionszeit zu verbessern
  • die Ausdauer zu steigern
  • die Motivation durch Rollenwechsel zu verbessern (Der Wechsel von der Rolle des Lernenden in die Rolle des Fürsorgers = Futter für den Hund besorgen)
  • die Kommunikation zu unterstützen
  • von eigenen Problemen abzulenken
  • die Anzahl von verbalen und nonverbalen Interaktionen zu erhöhen
  • Sprechängste abzubauen
  • das Selbstwertgefühl zu verbessern
  • psychische Aufhellung der Patienten zu erreichen
  • innere Ruhe/ Zufriedenheit/ Ausgleich finden
  • persönliche Grenzen zu überwinden.

Tiere fungieren als „Motor“ für Entwicklungen, die sonst unter Umständen viel länger dauern würden, indem sie einen Anreiz für Veränderungen schaffen. So setzen Logopäden Tiere (Hund) als Brücke und Kontaktmittel bei Kindern mit Sprechstörungen ein. Aber auch im Erwachsenenbereich (z.B. bei Patienten mit Demenz) findet der Therapiehund Einsatz. Die tierischen Helfer können es schaffen, die Patienten in der Therapie zu begeistern, zu entspannen und vom Leistungsgedanken weg auf eine natürlich soziale und spielerische Ebene zu bringen. Die Kommunikation wird durch einen natürlichen Impuls angeregt: Um mit einem Tier umzugehen, muss man mit ihm sprechen, es locken und mit ihm spielen. Eine wichtige Voraussetzung für die Arbeit mit einem Therapiehund ist eine spezielle Ausbildung, die Hundeführer und Hund als Therapiehundeteam abschließen. Die Voraussetzung dafür, meinen Hund für die tiergestütze Therapie einzusetzen, ist eine komplexe Ausbildung (SATTT, ESAT zertifiziert) , welche sich insbesondere damit beschäftigt, Hunde als Therapiebegleithunde in der logopädischen Praxis agieren zu lassen. Innerhalb dieser Ausbildung werden Grundgehorsam und bestimmte Fähigkeiten, die ein Therapiebegleithund mitbringen muss, gleichermaßen geschult. Der Hund sollte in jeder, auch für ihn ungewohnten Situation, absolut zuverlässig sein. Des Weiteren werden theoretische Kenntnisse über den Hund und fachspezifische Bereiche der Therapie in Bezug zur tiergestützten Arbeit erörtert. Anschließend legen der Hundeführer sowie der Hund eine Prüfung ab, die garantiert, dass der Hund für den Einsatz in der Praxis geeignet ist. Mein Hund wird regelmäßig tierärztlich untersucht und unterliegt den geforderten Hygienemaßnahmen, er ist geimpft und versichert. Er kommt nicht zum Einsatz, wenn Sie oder Ihre Kinder Angst vor Hunden haben oder Sie es nicht wünschen.

Paul

Paul ist am 05.06.2013 zur Welt gekommen. Er ist mit seinen drei Geschwistern in liebevollen Händen groß geworden. Von Anfang an hatte Paul Kontakt zu Kindern. Jetzt lebt Paul bei Ramona, ihrem Mann und den drei Kindern.

Paul ist ein freundlicher, kinderlieber, gelehriger und aufmerksamer Hund. Er hat gerne Menschen um sich und liebt es Aufgaben zu lösen. In seiner Freizeit läuft er unwahrscheinlich gern am Fahrrad, liebt ausgedehnte Spaziergänge und an heißen Tagen geht er gerne schwimmen. In der Welpenschule hatte Paul von Anfang an Kontakt zu anderen Hunden. In dem ersten Jahr lernte Paul durch intensives Training die Kommandos “sitz”, “platz”, “gib Pfote”, “bleib”, “komm” (Rückruf) und “zart” (Leckerchen vorsichtig aus der Hand nehmen).

Paul & Ramona haben die Therapiebegleithundausbildung im Juni 2016 erfolgreich abgeschlossen.